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„Es ist der Wahnsinn!“ – Interview Marco Kehl-Gomez

Marco Kehl-Gomez ist mit seinen jungen 27 Jahren schon viel herumgekommen. Der spanisch-schweizer Defensivspezialist hat bereits in verschiedenen Regionen Deutschlands gespielt und zeigt nun mit seiner enormen Abgeklärtheit gute Leistungen im Trikot von RWE. Als Neuzugang wurde er gleich Kapitän, also war es nur eine Frage der Zeit, bis er sich den Fragen von Jawattdenn.de stellen musste. In unserem Interview spricht Marco Kehl-Gomez über den Stellenwert seiner Familie, seine Karriere und seine Zeit bei Rot-Weiss Essen.

Jawattdenn.de: Hallo Marco, herzlichen Glückwunsch zur Geburt Deines zweiten Kindes. Wie ausgeschlafen bist Du, wenn Du momentan auf den Trainingsplatz kommst?

Marco Kehl-Gomez: Man kann es nicht schönreden, es fehlen ein paar Stunden Schlaf. Trotzdem überwiegt die Freude bei mir. Es gibt keinen schöneren Moment, als ein gesundes Baby zu bekommen. Es sind alle gesund, das Kind und meine Frau, deswegen war der achte Februar ein toller Tag. Dieses positive Erlebnis nehme ich gerne mit.

Jawattdenn.de: Deine Tochter hat im Stadion Essen sofort die Herzen der Zuschauer erobert und alle freuen sich, wenn sie mit der Kurve nach Heimsiegen feiert. Ist die Vorfreude dementsprechend bei Euch zu Hause auch groß?

Marco Kehl-Gomez: Die Vorfreude ist groß. Meine Kleine wird schon einen Tag vorher nervös. Sie zieht sich zum Schlafen dann das Trikot an, sie ist also bestens vorbereitet. Im Stadion selbst ist sie erstaunlicherweise gelassen und genießt die Stimmung. Wenn wir siegen, kann sie dann ihre Show abziehen (lacht). Ob es diesen Sonntag für die Familie schon klappt, zu kommen, weiß ich noch nicht, aber sie ist immer mit ganzem Herzen dabei.

Jawattdenn.de: Die große Anzahl an Kindern, die Ihr Spieler mit auf den Platz bringt, zeigt eigentlich auch, dass ein großes Vertrauen zu der Mannschaft und zu den Zuschauern herrscht. Wie ist das Klima in der Mannschaft?

Marco Kehl-Gomez: Schon in der Anfangszeit in Essen haben wir mit unseren Familien zusammen gegrillt und haben gesehen, wie viele Kids hier herumrennen. Dass so viele Kinder dabei sind, habe ich bislang noch nie erlebt, aber ich finde das wunderschön. Die Konstellation während der Spiele in der Sparkassen-Lounge finde ich auch perfekt. Da können die Kinder sich austoben, wenn sie mal keine Lust auf das Spiel haben. Das vereinfacht es den Müttern auch.

Jawattdenn.de: Für Euch Spieler war das spielfreie Wochenende nach dem großen Spiel gegen Rödinghausen undankbar. Wie lang habt Ihr gebraucht, um die Niederlage zu verdauen?

Marco Kehl-Gomez: Es ist wirklich schöner, wenn man ein paar Tage später das nächste Spiel hat und so ein Spiel sofort aus dem Kopf ist. Wir hatten in der Zeit zwei Testspiele. Das ist nicht das gleiche, aber in den Spielen konnten wir uns neu fokussieren, verbessern, was wir vorher falsch gemacht haben und neue Dinge ausprobieren.

Umgekehrt hat uns die Woche gut getan. Nach dem Bremen-Spiel haben wir das Wochenende frei bekommen, sodass wir die Köpfe freibekommen konnten. Das ist wichtig, damit wir am kommenden Wochenende wieder aus den Vollen schöpfen können.

Jawattdenn.de: Darfst Du verraten, was Ihr für Lehren aus dem Rödinghausen-Spiel für das kommende Heimspiel gezogen habt?

Marco Kehl-Gomez: Unser Problem liegt auf der Hand und jeder Zuschauer hat es gesehen. Rödinghausen war viel effektiver. Wenn man so früh ein Tor fängt, ist das für keine Mannschaft gut. Trotzdem hatten wir einige Chancen gegen Rödinghausen, aus meiner Sicht sogar mehr als Rödinghausen, aber es fehlte an Effektivität. Daran müssen wir arbeiten.

Jawattdenn.de: Auch wenn die Tabelle verzerrt ist, ist der Vorsprung der Mannschaften vor Euch gewachsen. Was hat der Trainer oder habt Ihr Führungsspieler gesagt, wie der Rest der Saison angegangen werden soll?

Marco Kehl-Gomez: Wir brauchen aktuell nicht auf die Tabelle zu gucken. Stand jetzt sind wir auf Platz Vier, das bedeutet wir müssen möglichst viele Punkte holen, um noch einmal vorne angreifen zu können. Auch wenn es sich dumm anhört, aber wir müssen von Spiel zu Spiel schauen. Das nächste Spiel ist Sonntag und da wollen wir dreifach punkten. So wären wir wieder an Oberhausen dran und würden nach oben Druck ausüben.

Jawattdenn.de: Gegen Rödinghausen hast Du die Platzwahl gewonnen, aber hast Dich entschieden, dass Ihr in der ersten Halbzeit auf die Westtribüne spielt. Warum hast Du Dich dafür entschieden?

Marco Kehl-Gomez: Weil unsere Heimbilanz nicht so ist, wie wir uns das vorstellen, wollten wir in den ersten Minuten ein Feuerwerk zünden. Damit das Stadion direkt mitzieht, wollten wir direkt auf die Fankurve zu spielen. Wenn wir direkt zwei Ecken in den ersten Minuten bekommen hätten, wäre die ganze Wucht des Stadions gekommen und Rödinghausen ist es nicht gewohnt, vor so vielen Menschen zu spielen. Leider haben wir den frühen Gegentreffer bekommen, sodass diese Idee nicht funktioniert hat.

Beim nächsten Mal werde ich wieder so wählen, wie es die Fans lieber haben. Nach dem Homberg-Spiel wollte ich auch einfach etwas ändern und ich glaube, dass wir nicht wegen der Platzwahl verloren haben, sondern weil wir die Gegentore bekommen haben.

Jawattdenn.de: RWE hat einen Schnitt von über zwei Punkten pro Spiel, wenn wir das Wattenscheid-Spiel einrechnen liegt der sogar bei 2,1. Das hätten viele vor der Saison unterschrieben, trotzdem ist die Stimmung etwas gedämpft. Wie bewertest Du aus Spielersicht die bisherige Saison?

Marco Kehl-Gomez: Am Ende haben wir zu viele Punkte verschenkt. Auch wenn wir einen Zweier-Schnitt haben, sind wir auf Tabellenplatz Vier. Die vorderen drei Mannschaften haben mehr Punkte geholt und damit auch einen besseren Schnitt als wir. Wir haben zu viele Niederlagen auf dem Konto und wir tun alles dafür, dass das in Zukunft nicht mehr passiert.

Jawattdenn.de: Du bist in Deiner Karriere viel herumgekommen. Geboren und aufgewachsen bist Du in Zürich und Du hast einmal gesagt, Deine Mutter habe Dich bei Deinem ersten Fußballverein Juventus Zürich angemeldet. Warum sollte es ausgerechnet Fußball sein?

Marco Kehl-Gomez: Ich habe schon, bevor ich vier Jahre alt war, gegen alles was rund war getreten. Juventus Zürich war damals der einzige Verein der Stadt, der schon Vierjährige aufgenommen hat. Mein Vater hat nicht aktiv Fußball gespielt, das war ganz allein mein Ding damals.

Jawattdenn.de: Du kommst aus einer sehr internationalen Familie. Du hast als Kind in der Schweiz gelebt. Während Dein Vater Schweizer war, kam Deine Mutter aus Madrid. Hast Du die Heimat Deiner Mutter auch kennen gelernt?

Marco Kehl-Gomez: Wir sind in jedem Sommerurlaub nach Madrid gefahren. Dort haben wir die Verwandten, insbesondere die Großeltern besucht.



Jawattdenn.de: Du hast ja beinahe drei Heimatländer. In der Schweiz und in Spanien fühlst Du Dich sicher zu Hause, aber nach so vielen Jahren in Deutschland vielleicht auch hier. Hast Du schon überlegt, wo Du nach Deiner Fußballkarriere am liebsten leben möchtest?

Marco Kehl-Gomez: Diese Frage stelle ich mir oft, kann sie aber noch nicht beantworten, weil ich das schwierig finde. Als Familienvater will man sich irgendwann mit seiner Familie an einem Ort niederlassen. Ich kann mir vorstellen in Deutschland zu leben, aber dann grenznah zur Schweiz, ich kann mir aber genauso gut vorstellen, wieder in die Schweiz zu ziehen.

Ich würde mir wünschen, dann wieder näher an meiner Familie zu wohnen. Das heißt aber nicht, dass ich jetzt unglücklich bin. Ich darf im Moment professionell in Deutschland Fußball spielen und mit dem Flieger dauert es nur 45 Minuten bis nach Hause, sodass das kein Problem ist.

Jawattdenn.de: Ich stelle mir das auch schwierig vor, weil alle drei Länder Vorteile bieten.

Marco Kehl-Gomez: Wobei ich sagen muss, dass ich die spanische Sprache zwar perfekt beherrsche, aber es schwierig ist, in Spanien zu leben. Den Spaniern geht es deutlich schlechter als den Schweizern oder den Deutschen. Aber die Schweiz oder Deutschland sind beides Optionen für die Zukunft.

Jawattdenn.de: Schon in der Jugend bist Du zum bekanntesten Züricher Club gewechselt, den Grasshoppers. Wie kam es dazu?

Marco Kehl-Gomez: Ich wurde gesichtet und meine Mutter wurde angerufen und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, zum Grasshopper Club Zürich zu gehen. Das war zu der Zeit so, als wenn in Deutschland Bayern München anruft. Mittlerweile dümpelt der Verein in der zweiten Liga herum. Es war sehr schön für mich, diesen Anruf zu bekommen, und ich habe mich sehr schnell dazu entschieden, dorthin zu gehen.

Jawattdenn.de: Du hast für Zürich einige Spiele in der ersten Schweizer Liga gespielt. Man kennt in Deutschland durch die Champions League und die Euro League den FC Basel, der sicher auch in der Bundesliga nicht chancenlos wäre. Inwiefern ist die gesamte Liga denn mit dem Niveau in Deutschland zu vergleichen?

Marco Kehl-Gomez: In der Schweiz spielen zwei, höchstens drei, Mannschaften auf dem Niveau der Bundesliga. Basel und Young Boys Bern könnten in der Bundesliga mithalten. Bei allen anderen würde es aus meiner Sicht sehr eng. Ich glaube, die Bundesliga hat in den letzten Jahren noch einmal an Qualität gewonnen. Wenn man allein das vergangene Transferfenster anschaut, ist es ja Wahnsinn, was da abgeht. Das ist schön zu sehen, dass viele gute Spieler nach Deutschland wollen.

Jawattdenn.de: In Zürich hast Du keine Perspektive gesehen und bist dann nach Pfullendorf gewechselt. Warum bist Du damals nach Deutschland gegangen?

Marco Kehl-Gomez: Ich musste neu anfangen. Alles, was ich mir damals aufgebaut hatte, wurde innerhalb von zwei Monaten kaputt gemacht. Das war nicht einfach für mich, weil mir Dinge versprochen wurden, die nicht eingehalten wurden. Heute weiß ich, dass solche Sachen im Fußball vorkommen. Damals wäre mir nur die zweite Mannschaft der Grasshoppers geblieben. Deswegen habe ich einen kompletten Schnitt mit der Schweiz gemacht und ganz neu angefangen. Da das Transferfenster nur noch eine Woche auf war, war ich froh, dass ich in das grenznahe Pfullendorf wechseln konnte.

Jawattdenn.de: Pfullendorf ist als Tabellenletzter aus der Regionalliga Südwest abgestiegen, Du hast aber ein Angebot aus der Dritten Liga vom Chemnitzer FC bekommen. Haben Dir die Chemnitzer erzählt, wie Sie in solch einer Saison auf Dich aufmerksam wurden?

Marco Kehl-Gomez: Der Abstieg von Pfullendorf war damals abzusehen. Der Verein hatte nicht die Mittel, die ein Regionalligist braucht. Dort haben viele Spieler nicht professionell Fußball spielen können, die meisten mussten nebenher arbeiten oder studieren. Da haben wir nur um 18 Uhr trainiert und das war es. Das war für mich neu, weil dadurch meine Tage auch immer sehr lang wurden. Das ist nicht vergleichbar mit Rot-Weiss Essen. Dort habe ich aber meine Spiele bekommen und konnte mich präsentieren. Trotz des Abstiegs ist mir das gut gelungen.

Jawattdenn.de: Nach Chemnitz hast Du in Elversberg und Saarbrücken gespielt und bist von 2016-2018 drei Mal in der Aufstiegsrelegation angetreten. Dabei hast Du zweimal mit Elversberg und einmal mit Saarbrücken den Aufstieg verpasst. Was hältst Du von dieser Aufstiegsregelung aus der Vierten Liga?

Marco Kehl-Gomez: Diese Regelung ist völliger Quatsch. Dort können nur Leute sitzen, die sich nicht in die Mannschaft hineinversetzen kann. Man arbeitet drei Jahre erfolgreich für das Ziel und alles wird in einer Woche kaputt gemacht. Aber wir spielen in der Vierten Liga, also müssen wir diese Situation annehmen. Am Ende waren es jeweils auch zwei Spiele unter fairen Bedingungen, in denen wir den Aufstieg hätten erreichen können. Die Relegation ist aber tagesformabhängig. Bei den drei Begegnungen war mein Team zwei Mal die bessere Mannschaft, das nützte uns aber nichts. Ich weiß zum Glück, dass es wichtigere Dinge als Fußball und Aufstiege gibt, aber trotzdem ist es hart dreimal in die Relegation zu kommen und jedes Mal nicht aufzusteigen.

Jawattdenn.de: Mit Deiner jetzigen Frau warst Du wahrscheinlich auch in Zürich schon zusammen. Die hat also alle Umzüge mitgemacht. Hat Sie irgendwann mal gesagt, dass Sie vielleicht mal länger irgendwo wohnen möchte?

Marco Kehl-Gomez: Sie ist immer in die Entscheidungen involviert. Gerade die letzten drei Wechsel haben wir genau abgesprochen, da ich es nicht gemacht hätte, wenn sie sich bei einem der Wechsel schlecht gefühlt hätte. Ich habe mir die richtige Frau ausgesucht, weil ich weiß, dass das nicht jede Frau mitmacht. Sie steht immer hinter mir. Gerade für sie sind diese Wechsel nicht einfach, weil sie sich immer neu einleben muss. Ich bin durch den Fußball immer sofort unter Leuten, während sie sich immer einen Bekanntenkreis aufbauen muss. Aber sie macht es bislang immer mit, ich bin froh sie zu haben.

Jawattdenn.de: Bei Deinem Wechsel von Saarbrücken nach Essen gab es viele Rückmeldungen in den sozialen Netzwerken. Viele Saarbrücker hatten damit gerechnet, dass Du wechselst, haben aber gedacht, Du wechselst in höhere Ligen und waren überrascht, dass es schließlich Rot-Weiss Essen war. Das zeigt in meinen Augen eine hohe Wertschätzung, weil sie Deine Leistung anerkennen. Hast Du diese Wertschätzung während Deiner Zeit in Saarbrücken auch gespürt?

Marco Kehl-Gomez: Als mein Wechsel zu Rot-Weiss Essen bekannt gegeben wurde, waren die Fans in Saarbrücken nicht erfreut, was mir vorher klar war. Ich habe mir für den Verein aber immer den Arsch aufgerissen und wir haben zum Schluss noch den Landespokal gewonnen, weswegen Saarbrücken aktuell im DFB-Pokal spielt. Die Leute dort sind mir in der Zeit auch ans Herz gewachsen. Für mich konnte es aus verschiedenen Gründen nicht mehr weitergehen. Mit Rot-Weiss Essen habe ich mit einem Verein gesprochen, bei dem ich mir gut vorstellen konnte zu spielen und ich bin jetzt auch froh, hier zu sein.

Jawattdenn.de: Wie kam damals der Kontakt zu Rot-Weiss zustande?

Marco Kehl-Gomez: Karsten Neitzel war damals noch Trainer. Ich hatte unter ihm gespielt, als er in Elversberg war und damals wollte er mich schon unbedingt in Elversberg halten. Ich hatte mich damals aber gegen Elversberg entschieden und bin zum Rivalen nach Saarbrücken gewechselt. Wir kannten uns und über ihn kam auch der erste Kontakt nach Essen zustande.

Jawattdenn.de: Der Wechsel zu Saarbrücken war sicher nachvollziehbar. Der Verein wirkt, auch wenn er in der gleichen Liga spielt, deutlich größer als Elversberg.

Marco Kehl-Gomez: Von der Fanbase und der Tradition ist Saarbrücken auf jeden Fall der größere Verein. Vom Fußballerischen aus gesehen, sind die Vereine allerdings auf Augenhöhe.

Jawattdenn.de: Was hat am Ende den Ausschlag dafür gegeben, nach Essen zu wechseln?

Marco Kehl-Gomez: Ich war drei Jahre im Saarland und habe dreimal das große Ziel verpasst, da brauchte ich eine neue Perspektive. Ich habe mir hier dann in der vergangenen Saison das Halbfinale im Pokal gegen Uerdingen angeschaut, um mir ein Bild vom Verein zu machen. Das war stressig, weil ich am gleichen Tag hin und zurück gefahren bin. Ich bin aber froh, dass ich es gemacht habe. Ich hatte gute Gespräche und mich sofort wohl gefühlt. Außerdem waren die Ziele des Vereins klar definiert. Deswegen habe ich mich mit meiner Familie entschieden, hierher zu wechseln.

Jawattdenn.de: Du hast in so vielen Regionen in Deutschland Fußball gespielt und die Menschen dort kennen gelernt. Unterscheidet sich die Mentalität der Menschen?

Marco Kehl-Gomez: Ja, die unterscheidet sich komplett. Wenn wir von Fußball sprechen, wo gibt es mehr Fußball als im Ruhrgebiet? Wenn man hier eine Viertelstunde irgendwo hinfährt, fährt man an einem Stadion vorbei, in dem irgendein Verein spielt, den man deutschlandweit kennt. Auch wenn es im Saarland einige gute und ambitionierte Regionalligisten hat, ist die Mentalität im Saarland nicht vergleichbar. Ich bin also wie gesagt froh hier zu sein.

Jawattdenn.de: Du hast mit Chemnitz, Saarbrücken und jetzt Essen bei vielen Traditionsvereinen gespielt. Ist das ein Faktor, um Dich für einen Verein zu entscheiden?

Marco Kehl-Gomez: Das ist auch ein wichtiger Punkt. Es macht mehr Bock vor vielen Zuschauern zu spielen. In erster Linie vergleiche ich aber meine persönlichen Ziele mit den Zielen des jeweiligen Vereins. Dass das Gesamtpaket stimmt, ist noch ein kleines Stück wichtiger.

Jawattdenn.de: In früheren Interviews hast Du schon betont, dass der Faktor Fans für Dich relevant ist. Inwiefern hast Du diesen Zuspruch hier in Essen vorher erwartet?

Marco Kehl-Gomez: Es ist der Wahnsinn, was die Zuschauer hier bei jedem Heimspiel auf die Beine stellen. Aber ich habe es mir auch so vorgestellt. Gegen Uerdingen habe ich beim letztjährigen Pokal-Halbfinale gesehen, was hier möglich ist. Bislang haben wir auch einen super Zuschauerschnitt über 10.000.

Jawattdenn.de: Du hast sehr früh deutlich gemacht, dass Du gerne vorangehst. Deswegen hast Du folgerichtig auch das Kapitänsamt bekommen. Wie bedeutet es für Dich, Kapitän zu sein?

Marco Kehl-Gomez: Als Neuzugang ist es für mich eine große Ehre. Ich kenne den Verein vielleicht nicht so gut wie andere, die länger hier sind, aber ich weiß, was der Verein von mir verlangt. Bis jetzt konnte ich relativ viel zurückgeben, wie ich finde. Ich denke, dass der Kapitän einer Mannschaft nicht durch Laberei auffallen sollte, sondern durch seine Leistung auf dem Platz und deswegen werde ich weiterhin Gas geben.

Jawattdenn.de: Hast Du schon vor der Saison hier im Mittelfeld gespielt?

Marco Kehl-Gomez: In Saarbrücken war ich meistens Innenverteidiger, aber vorher habe ich schon oft im Mittelfeld gespielt. In Elversberg und Chemnitz habe ich ausschließlich dort gespielt.

Jawattdenn.de: Dann war es für Dich keine Umgewöhnung. Der Trainer sagte vor der Saison, dass sich die Spieler darauf einstellen müssten, dass sie auf ungewohnten Positionen spielen müssen und Du bist ja recht früh von der Innenverteidigung ins Mittelfeld verschoben worden. Spielst Du eine Position lieber?

Marco Kehl-Gomez: Ich fühle mich in unserer Mannschaft im Mittelfeld sehr wohl. Am Schluss macht aber der Trainer die Aufstellung.

Jawattdenn.de: Es wirkt von außen so, dass Du ein wichtiges Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft bist. Wie sieht der Austausch zwischen Christian Titz und Dir in der Trainingswoche aus?

Marco Kehl-Gomez: Wir sind im ständigen Austausch. Ich bin jemand, der gerne seine Meinung sagt. Wenn ich irgendetwas bemerke oder mir etwas nicht passt, können wir sehr offen kommunizieren. Das funktioniert sehr gut.

Jawattdenn.de: Es fällt über die Saison auch auf, dass ihr als Mannschaft viel miteinander unternehmt. War das bei vorherigen Stationen auch so?

Marco Kehl-Gomez: Das habe ich auch vorher erlebt. Aber es muss auch so sein. Bei den Zielen, die wir haben, braucht es eine intakte Mannschaft. Sonst bleiben manche im Laufe der Saison zurück, die irgendwann dringend gebraucht werden. Es müssen Spieler aufgefangen werden, bei denen es gerade nicht so rund läuft. Wie wir das hier machen ist schon sehr gut.

Jawattdenn.de: Gibt es Mitspieler, mit denen Du privat etwas unternimmst?

Marco Kehl-Gomez: Wir sind als Mannschaft oft hier am Stadion. Wir unternehmen häufig etwas, sodass das nicht zu kurz kommt. Darüber hinaus bleibt gerade im Moment nicht viel Zeit für weitere Unternehmungen.

Jawattdenn.de: Abschlussfrage: Welches Fanlied gefällt Dir am besten?

Marco Kehl-Gomez: Für mich ist es Adiole, wenn wir ins Stadion einlaufen. Das erste Spiel ist sicher allen im Kopf geblieben. Wir kommen rein, es sind über 14.000 da und die Kurve singt da mit. Das hat mir schon gegen Uerdingen imponiert. Da habe ich mich gefragt, was hier los ist.

Jawattdenn.de: Wobei ich mir vorstellen kann, dass es noch etwas anderes ist, wenn man selbst einläuft.

Marco Kehl-Gomez: Das ist so. Dieses Lied verbinde ich am meisten mit RWE.

Jawattdenn.de: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg in Zukunft!

Das Interview führte Hendrik Stürznickel.