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2019/2020 - Regionalliga West

Rot-Weiss Essen – Rot-Weiß Oberhausen (1:0)

RWE bleibt in Schlagdistanz zur Tabellenspitze und ist weiter im Meisterschaftsrennen dabei. Die Essener waren gegen harmlose Oberhausener das bessere Team und konnten durch das Tor des Tages von Oguzhan Kefkir die drei Punkte an der Hafenstraße behalten. Niemals aufgeben!

Vorbericht

Unsere saisonale Tradition, unsere Vor- und Spielberichte mit kleinen sprachlichen Kalauern zu würzen, erhält im Vorfeld des Revierderbys gegen den westlichen Nachbarn vom Kanal eine gewisse Brisanz. Denn neunmal trat RWE ohne des nicht mehr in der Wertung befindlichen Spiels gegen Wattenscheid an der heimischen Hafenstraße an, viermal trat der Gegner siegreich die Heimfahrt an. Eine Bilanz, die durchaus Grausen erzeugen kann und deren tendenzielle Fortsetzung am kommenden Sonntag wohl das Ende aller Aufstiegsträume bedeuten könnte. Den bislang fünf Heimsiegen den sechsten oben drauf zu setzen wäre hingegen Balsam für die nach dem Rödinghausen-Match geschundene RWE-Seele und ließe zudem den Blick nach oben wieder zu, denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Vor allem nach den jüngsten Entwicklungen in der Liga.

Zwar hatten auch wir kurz vor dem Spiel gegen den Tabellenführer aus dem Wiehengebirge davor gewarnt, jede Partie zum Schicksalsspiel zu erklären, jedoch ist zwei Wochen später klar, viel darf RWE nicht mehr liegen lassen, um zumindest noch diese Saison ganz oben angreifen zu können. Da die Roten aufgrund des Rückzuges der SGW am letzten Wochenende spielfrei waren, mussten sie tatenlos zusehen, wie die Konkurrenz ausnahmslos Siege feierte. Dass der kommende Gegner RWO sein Heimspiel gegen Kellerkind Bergisch-Gladbach spät erfolgreich gestalten konnte, war zu erwarten. Ärgerlicher erschien, dass der SVR in seiner Partie gegen die Sportfreunde Lotte seine fast einzige Torchance zum Sieg nutzen konnte. Und das, obwohl die Gastgeber weit von ihrer an der Hafenstraße an den Tag gelegten Form entfernt schienen und zudem 70 Minuten in Unterzahl agieren mussten, nachdem Angelo Langer schon früh die Rotbremse gezogen hatte. Tante Lotte hatte die Spielkontrolle, ließ aber selbst den auf dem Silbertablett dargebotenen einen Zähler höflich im Wiehengebirge liegen. Die einen sagen, so clever und effizient wie Rödinghausen agiert ein Spitzenreiter, die anderen meinen, dass sich auch die Zwiebelfeststädter weiterhin strecken müssen, um die Punktetrauben abzupflücken.

Samstag können die Rödinghausener weiter Druck auf die Konkurrenz aufbauen. Sie gastieren in Wuppertal und sind dort natürlich Top-Favorit. Im Siegesfall würde der Vorsprung auf unseren RWE unglaublich zu nennende 15 Zähler betragen. Bei wohlgemerkt drei mehr ausgetragenen Partien. Doch für die Aufstiegsfrage ist das mit einem Male nicht mehr relevant. Am Donnerstagmittag gab es den Paukenschlag. Der SV Rödinghausen wird keine Drittligalizenz beantragen. In einer offiziellen Verlautbarung gab der Verein bekannt, weiterhin nachhaltig wirtschaften zu wollen. Mit dem oberhalb der Regionalliga notwendigem Aufwand, vor allem in der Stadionfrage, sei dies nicht möglich. Der Schritt kommt nicht völlig überraschend, hatte man doch allein schon bei den Auswärtsauftritten unserer Roten im malerischen Wiehengebirge den Eindruck, dass es hier beschaulich bleiben solle und auswärtige Fans störend seien. Warum dennoch seit Jahren ein solch großer finanzieller Aufwand betrieben worden ist, müssen die Grün-Schwarzen sich selber beantworten und darf der Konkurrenz egal sein. Sollte Rödinghausen auch am Ende ganz oben stehen, würde jedenfalls der Vizemeister der RL West die Relegationsspiele bestreiten, jedenfalls wenn dieser seinerseits die Lizenz beantragt hat. Gänzlich souverän zeigte sich der SC Verl, der laut seines stets öffentlichkeitsliebenden Vorsitzenden Raimund Bertels auf jeden Fall die Drittligalizenz beantragen wird. Wie gewohnt sehr charmant und um gepflegte Wortwahl bemüht betitelte Bertels alle Gerüchte, der SCV werde ebenso auf den Lizenzantrag verzichten, als „Schwachsinn“. Im Erfolgsfalle werden die Verler jedoch nicht in der heimischen und den Drittligastatuten des DFB nicht entsprechenden Sportclub-Arena an der Poststraße antreten können. Die Ostwestfalen hatten dort unter der Woche 90 Minuten DFB-Pokal gegen den Bundesligisten Union Berlin zu absolvieren und unterlagen erst kurz vor dem Ende mit 0:1. Wer gehofft hatte, der Kräfteverschleiß werde sich nur zweieinhalb Tage später in Bonn bemerkbar machen, sah sich gründlich getäuscht. Mit 3:0 siegte der SCV in der Beethovenstadt und zeigte sich sowohl physisch als auch mental bärenstark. Man muss kein Prophet sein, um der Truppe von Guerino Capretti die besten Aktien des Spitzenquartetts, das nun auf einmal ein Aufstiegsanwärtertrio geworden ist, zuzusprechen. Zeitgleich zum Revierderby empfangen die Verler am Sonntag die Reserve der Gelsenkirchener. Hier setzen wir Rot-Weisse auf engagierte Nachbarschaftshilfe. 🙂

Die bisherigen Bemerkungen haben es ganz klargemacht, Rot-Weiss Essen hat am Sonntag mächtigen Druck. Druck aufgrund der bereits angesprochenen sehr mäßigen Heimbilanz, Druck aufgrund der trotz Rödinghauser Rückzuges noch immer angespannten Tabellensituation und Druck, den man in einem Derby immer verspürt. Die Situation von Gegner RWO erscheint auf den ersten Blick entspannter. Nachdem der Klub von der Landwehr sich lange in Lauerstellung befunden hatte, zogen die Kleeblätter nun an RWE vorbei und haben drei Punkte mehr auf dem Konto. Das tut dem Oberhausener, der einer landläufigen Meinung nach seinen eigenen Verein weniger wertschätzt, als er RWE ablehnt, natürlich besonders gut. So verwundert es kaum, dass viel darüber gesprochen wird, RWE die Saison versauen zu wollen, so z. B. von Kapitän Löhden. Aber lassen wir diese Scharmützel und konzentrieren uns auf das Sportliche. Seit dem 30.09.2019 haben die Schützlinge von Mike Terranova den Platz nicht mehr als Verlierer verlassen. Damals unterlag man der Reserve des BVB mit 0:2. Vier Wochen zuvor feierte unser RWE einen süßen 3:0-Erfolg im Stadion Niederrhein. Und das sind in der Tat die einzigen Partien, die Oberhausen dem Gegner gänzlich überlassen musste. Mit 13 Siegen hat man genauso viele errungen wie die Essener. Interessant jedoch die Bilanzen bei Remis und Niederlagen, die sich genau umgekehrt gestalten. RWE spielte nur zweimal unentschieden und verlor satte fünfmal. Aus fünf Oberhausener Unentschieden und nur zwei Niederlagen resultieren die derzeitigen 3 Punkte Vorsprung der Gäste. Es wäre daher auch für unsere Roten erstrebenswerter gewesen, den Platz weniger häufig als Verlierer zu verlassen. Um wie viel besser würde man z. B. dastehen, hätte man die Partien gegen Verl und Rödinghausen mit einem Remis gestaltet? So verfügte man nicht nur selbst über zwei Punkte mehr, sondern auch die angesprochene Konkurrenz über jeweils zwei weniger. Auch mit Unentschieden kann man also durchaus vorankommen. Setzt RWE daher zu häufig auf Risikovarianten?

Wir hatten jetzt länger Zeit, die Partie gegen Rödinghausen Revue passieren zu lassen. Die Niederlage war ebenso verdient wie sie unnötig gewesen ist. RWE rührte einen Cocktail aus saudummen Abstimmungsfehlern in der Defensive und vergebenen Großchancen in der Offensive an. Das musste fast zwangsläufig zu einer Pleite führen. Da es bis zum 0:1, das die Roten dem Gegner schenkten, keine zwei Zeigerumdrehungen gegeben hatte, wurden die Grundbedingungen der Partie sofort vollkommen verändert. Mit Ruhe auf die Führung hinzuarbeiten wie zuvor in Köln hatte sich für RWE ad acta gelegt. Auf der Gegenseite kamen die Rot-Weissen nach tollen Kombinationen gleich zweimal hinter die Abwehrkette der Gäste, frönten aber in Person von Wirtz und später Endres dem bekannten Großchancenwucher. Als Ex-RWE-Keeper Niclas Heimann kurz nach der Pause einen eigentlich unhaltbar scheinenden abgefälschten Schuss von Dorow mit dem Schienbein parierte, schwand jedoch der Essener Glaube an eine Wende, der mit dem 0:2 völlig erstickt wurde. Der Gegner genoss wie andere Mannschaften zuvor die Ausnahmeatmosphäre an der Hafenstraße in vollen Zügen. Diese scheint allen Gästen eine besondere Motivation zu sein. Umgekehrt kann man nicht behaupten, dass die junge RWE-Mannschaft im Gegensatz zu ihren Vorgängern im Essener Trikot Angst vor der eigenen Courage habe. Jedoch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Rot-Weiss Zuhause fast ein wenig übermotiviert erscheint, seine Fans zu beschenken. Nicht selten vermisst der Betrachter die Coolness, die RWE auswärts auszeichnet. Satte 8 von 11 Partien in der Fremde hat RWE gewonnen und wirkt dabei abgeklärter als vor heimischer Kulisse. Diesen Bock gilt es in den 8 verbleibenden Heimspielen umzustoßen und Sonntag sollte sofort damit begonnen werden.

Die RWE-Fans dürfen sich dabei auf ein neues Gesicht freuen, welches die fast verheerend zu nennende Abschlussschwäche beheben soll. Von Herthas zweiter Mannschaft wechselte ganz kurz vor Schließung des Transfensters der russische Angreifer Maximilian Pronichev an die Hafenstraße. Der 22-Jährige verfügt über eine gute Quote. In 32 Regionalligaspielen erzielte er 22 Treffer. In dieser Spielzeit waren es bislang 7 Tore in 13 Spielen. Dabei stand Pronichev jedoch durchschnittlich nur gut eine Halbzeit auf dem Feld und kam häufig über die Jokerrolle, was seine Bilanz in einem noch anderen Licht erscheinen lässt. Hat RWE hier endlich den effizienten Goalgetter gefunden? Alles Gute an der Hafenstraße, Maximilian.

Auch der zweite Last-Minute-Transfer der Essener weckt Hoffnungen. Mit José Matuwila, 28 Jahre alt, kommt der gewünschte zentrale Abwehrspieler mit linkem Fuß zu RWE. Er verfügt über reichlich Erfahrung und war zuletzt für den 1. FC Kaiserslautern am legendären Betze aktiv, sodass ihm positiv verrückte Fans bekannt sind. Matuwila ist zunächst bis zum Saisonende ausgeliehen, ein Zeichen, dass er in Lautern noch Wertschätzung genießt. Da Alex Hahn auf der Position des linken IV gelbgesperrt ist, stehen die Aktien des gebürtigen Koblenzers mit angolanischer Staatsbürgerschaft auf einen Startelfeinsatz gegen Oberhausen gut. Auch hier alles Gute in Essen, José.

Inwiefern die Essener Rot-Weissen mit diesen Neuzugängen an den wichtigen Stellschrauben defensive Stabilität und effiziente Chancenverwertung gedreht haben, wird sich ab nun zeigen. Mit einem Derbysieg wollen die Bergeborbecker nicht nur Wiedergutmachung bei den eigenen Zuschauern betreiben, sondern generell für die Aufrechterhaltung der Zuversicht im Essener Norden und der ganzen Stadt werben. Das ist auch wirtschaftlich von Belang. Bislang passierten im Schnitt mehr als 11.000 Zuschauer die Stadiontore von RWE. Ein unglaublich zu nennender Wert, der weniger unglaublich erscheint, wenn man die Begeisterungsfähigkeit der Essener Anhänger kennt. Vor Saisonbeginn hatten die Essener Verantwortlichen, allen voran Boss Marcus Uhlig, auf genau einen solchen Enthusiasmus gesetzt, um mittels Zuschauereinnahmen so wenig wie möglich auf die von Sascha Peljhan zur Verfügung gestellten Gelder zurückgreifen zu müssen und diese als Backup zu behalten. Bislang ging der Plan auf. Die zuletzt aufgekommene Ernüchterung wird sich jedoch am Sonntag bemerkbar machen, die Kulisse für Viertligaverhältnisse stolz sein, sich aber nicht so beeindruckend darstellen wie sie hätte sein können. Nehmen die einzig wahren Roten jedoch ab nun wieder Fahrt auf, werden die Fans weiter Kredit und Unterstützung geben. Wahrscheinlich reicht bereits die Meldung vom Drittliga-Verzicht des derzeitigen Spitzenreiters aus, dass mehr Menschen, als zuvor angenommen werden durfte, Sonntag an der Hafenstraße 97a vorstellig werden. Die sportliche Brisanz wurde dadurch für beide Derby-Parteien jedenfalls noch einmal nicht unerheblich gesteigert.

NUR DER RWE!

Sven Meyering

Spielbericht

Mal wieder eine Geschichte, wie sie nur der Fußball schreibt. Viereinhalb Monate hatte Gast RWO nicht mehr verloren, zuletzt am 30.09.2019 mit 0:2 beim BVB II, viereinhalb Monate hatte RWE-Außenstürmer Oguzan Kefkir nicht mehr getroffen, zuletzt am 03.10.2019 beim 2:3 in Mönchengladbach. Jetzt brach Ötzi den Bann und fügte dem Widersacher mit seinem 7. Saisontreffer eine bittere Schlappe zu. Sein Tor aus der 81. Spielminute war das Goldene im Match der in den Farben vereinten Nachbarn aus dem Revier. RWE hält dadurch Anschluss zur Spitze und kann somit halbwegs beruhigt in sein kommendes spielfreies Wochenende gehen.

Eine traumhafte Kulisse von 13.256 zahlenden Zuschauern, davon etwa 1.500 aus dem nahen Oberhausen, erlebte ein rassiges Kampfspiel zweier würdiger Widersacher. RWE behielt am Ende verdient die Oberhand, auch weil die Essener schlichtweg ein bisschen mehr Fußball gespielt hatten als die Gäste. Christian Titz schickte zu Beginn im Vergleich zum Rödinghausen-Spiel eine gleich auf vier Positionen veränderte Mannschaft auf das Feld. Der spätere Siegtorschütze Oguzan Kefkir kehrte ebenso zurück, wie die zuletzt weniger berücksichtigten Dennis Grote in die Mittelfeldzentrale und Marcel Platzek ins Sturmzentrum. Neuzugang José Matuwila ersetzte erwartungsgemäß den gelbgesperrten Alex Hahn. Der von Kaiserslautern zunächst nach Essen ausgeliehene linke Innenverteidiger hinterließ bei seiner Hafenstraße-Premiere einen bärenstarken Eindruck. Nicht nur im Tackling, sondern auch im Antritt stellte der Angolaner echte Qualitäten unter Beweis. Oberhausens wieselflinker Rechtsaußen Shaibou Oubeyapwa fand in Essens Abwehrmann jedenfalls seinen Meister, sah erst kein Land und nach einer halben Stunde den gelben Karton, nachdem er in einem Zweikampf den Socken drüber gehalten hatte, wie es in der Fußballersprache heißt. Schiedsrichter Tobias Severins verfolgte jedoch insgesamt gerade angesichts der von beiden Mannschaften sehr robust geführten Partie eine großzügige Linie und ließ viel laufen und das das gesamte Spiel über und zu gleichen Teilen. Oberhausen sollte sich deswegen nach Abpfiff mächtig erregen, doch dazu später mehr.

Zu Beginn zeigten beide Teams im Gegensatz zu den sich permanent beharkenden Fanblöcken viel Respekt voreinander, standen kompakt und gingen nicht ins Risiko. RWE wollte einen ähnlichen Schockstart wie gegen den SVR unbedingt vermeiden, als es nach 2 Spielminuten bereits 0:1 stand. Auch RWO, dessen Kapitän Jannik Löhden einen Sieg an der Hafenstraße angekündigt hatte, zeigte sich nicht gerade angriffslustig. Die erste und beste Tor-Gelegenheit des ersten Spielabschnitts bot sich Essen in Persona von Jan-Lucas Dorow, der nach 12 Minuten einen Kopfball aus guter Position über das lange Eck hinwegsetzte. Zuvor hatten sich Kefkir und Grund schön über links bis zur Grundlinie durchkombiniert. Auf der Gegenseite wurde der Kasten von Jakob Golz gar nicht gefährdet. Auch diverse Ecken, eine Spezialität der Gäste, verpufften, denn RWE verteidigte sein Gehäuse energisch. Die Gastgeber zeigten sich überhaupt sehr konzentriert beim Spielaufbau von hinten heraus, ohne im letzten Drittel der gegnerischen Hälfte entscheidende Räume zu öffnen. Umgekehrt blockten der giftige Grote und Marco Kehl-Gomez alle Oberhausener Vorstöße schon ab, bevor Gefahr entstehen konnte. So lebte die Partie von der Spannung und weniger von den großen Momenten auf dem Spielfeld. Fast folgerichtig ging es torlos in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel setzte sich dieses Spiel tendenziell zunächst fort, die Gäste agierten bereits jetzt vermehrt mit langen Bällen, welche die Essener etwas hinten reindrängten. Echte Gefahr entstand jedoch weiterhin nicht, zumal auch Daniel Heber ebenso wie Nebenmann Matuwila seine Zweikämpfe positiv gestaltete. RWE brachte auch nicht mehr als Torannäherungen zustande, am gefährlichsten war es noch, als Condé freie Schussbahn zu haben schien, dann aber doch geblockt wurde. So begann nach einer Stunde die Zeit der Wechsel. Titz brachte Joshua Endres für den glücklosen Dorow. Fünf Minuten später wich der bis dato gut aufgelegte Dennis Grote Jonas Hildebrandt und erhielt viel Applaus bei seinem Abgang. Kollege Terranova signalisierte in derselben Zeit mit gleich drei Wechseln, dass auch er nicht gänzlich zufrieden war und neue Impulse zu setzen gedachte. Es kamen der Ex-Essener Tim Hermes für Oubeyapwa, Pisano für Steinmetz und Gödde für Özkara. Personalien die zeigen, dass auch RWO gut in der Breite aufgestellt ist. Auf dem Spielfeld zeigten sich unterschiedliche Strategien. Essen versuchte nach wie vor, sich fußballerisch Richtung Gästestrafraum zu kombinieren, Oberhausen agierte immer häufiger mit raumgreifenden langen Bällen und setzte auf Standards wie Ecken und weite Einwürfe, um seine langen Kerls in Szene zu setzen. Torgefahr erarbeitete sich aber in dieser Phase allein RWE.

Nach einer Bogenlampe im RWO-Strafraum waren alle zunächst etwas desorientiert, Kefkir schaltete als Erster, jagte aber die Kugel als Aufsetzer am langen Eck vorbei. Ötzi zum Ersten. Kurz darauf erhielten die Gastgeber einen Freistoß aus gefährlicher halbrechter Position. Kefkir schoss brandgefährlich über die Mauer, aber leider auch knapp über das Tor. Ötzi zum Zweiten. Kurz zuvor war der enorm emsige Marcel Platzek durch den eher filigranen Neuzugang Maximilian Pronichev ersetzt worden und der russische Angreifer sorgte eine Viertelstunde vor Schluss für den bis dato größten Aufreger des Spiels. RWE schaltete nach einer Balleroberung schnell, Endres schickte den gut einlaufenden Pronichev gekonnt in die Gasse. Elegant schlug dieser einen Haken um seinen Bewacher Nico Klaß, der sich auf dem Hosenboden wiederfand, und der Stürmer war frei vor Schlussmann Davari. Anstatt abzuschließen wollte er auch noch diesen austanzen, geriet aber dabei zu weit nach Außen und konnte beim Abschluss geblockt werden, auch der Nachschuss bot noch Gefahr, Davari parierte einen Abschluss von Marco Kehl-Gomez. Was für eine Gelegenheit. Im Stadion Essen saß nun niemand mehr, RWE blies zur Schlussoffensive. Und so kam es doch noch, das Happyend.

Nach 81. Spielminuten kombinierten sich die Hausherren durch das engmaschige Mittelfeld, Condé sah Endres am 16er, der die Kugel sofort weiterleitete. Nun gerieten Pronichev und Oberhausens Eggersglüß in einen Zweikampf, in dessen Folge die Kugel dem freistehenden Kefkir genau an der Strafraumgrenze vor den starken linken Fuß fiel. Nachdem der Deutschtürke sein Visier zuvor zweimal zu unpräzise eingestellt hatte, gelang ihm im dritten Anlauf der Coup des Siegtores. Wie an der Schnur gezogen schlug der Ball flach im Oberhausener Tor ein. Torhüter Davari verharrte in resignativer Hocke und ließ den Schuss passieren, den er wohl auch erst sehr spät, zu spät gesehen hatte, denn der Ball ging Abwehrspieler Klaß noch durch die Beine. Die Ränge explodierten. Die einen vor rot-weisser Freude, die anderen vor rot-weißer Empörung. Das Oberhausener Lager wollte in dem Zweikampf zwischen Pronichev und Eggersglüß ein Foul des Esseners erkannt haben, in dessen Folge der Treffer irregulär gefallen sei. Auch Oberhausens Coach Mike Terranova, der ansonsten fair die Berechtigung des Essener Sieges aufgrund des Chancenplus eingestand und gratulierte, thematisierte die Szene auf der Pressekonferenz. Kollege Titz verwies auf die Aussagen des Videoanalysten, der keine Unregelmäßigkeit erkannt hatte. Die veröffentlichten Video-Bilder bestätigen die These eines korrekten Treffers. Pronichev spitzelte seinem Gegenspieler die Kugel weg, bevor dieser über dem ausgestreckten Bein der Essener 23 zu Boden ging. Das Einzige, was an diesem Treffer nicht korrekt war, sind die unberechtigten Proteste dagegen.

Dem Oberhausener Ärger kann zudem entgegengehalten werden, dass der Unparteiische Severins so viele Zweikämpfe weiterlaufen ließ, wie selten jemand zuvor an gleicher Stelle, neigen Severins Kollegen ansonsten doch zu kleinlichen Ermessenspielräumen. Seine Regelauslegung in der angesprochenen Situation war daher konsequent zu nennen, denn Severins folgte seiner Linie. So auch kurze Zeit darauf, nun zum Fastleidwesen der Gastgeber. Titz hatte Philipp Zeiger gebracht, um die knappe Führung gegen die Luftwaffe der Oberhausener zu verteidigen. Ayo Adetula musste wieder auf der Bank Platz nehmen. Ansonsten wäre wohl er anstelle Kefkirs gekommen, der seiner Auswechslung jedoch mit dem Tor des Tages zuvorgekommen war. Titz und seine Auswechslungen bleiben ein Faszinosum. Bei einem der zahlreichen hohen langen Bälle der Gäste hatte sich RWE-Schlussmann Jakob Golz aufgemacht, die Kugel herunter zu pflücken, knallte jedoch außerhalb seines Fünfers mit Mitspieler Zeiger und einem RWO-Angreifer zusammen, sodass er den eigentlich schon gefangenen Ball aus den Händen rutschen ließ und leicht benommen zu Boden ging. Severins entschied auch hier auf Regelkonformität und hätte Daniel Heber nicht aufgepasst und den Ball zur Ecke geklärt, wäre die große Ausgleichschance da gewesen. Golz war auch beim anschließenden Eckball noch nicht ganz Herr seiner Sinne, denn diesmal rutschte ihm die Kugel unbedrängt aus den Händen, nun klärte Matuwila für seinen Schlussmann. Dessen Kollege Davari war längst bei allen Standards mit aufgerückt. Als Gödde einen Ball am langen Pfosten verpasste, war Oberhausens letzte Chance auf den Ausgleich dahin. Ohnehin strahlten die Gäste nur in diesen Schlussminuten halbwegs Gefahr aus. Severins beendete die hart umkämpfte Partie nach fünf Minuten Nachspielzeit.

RWE kürt sich somit zum Doppelderbysieger. Die Spiele gegen den westlichen Nachbarn erbrachten den einzig wahren Roten in dieser Saison 6 Punkte und 4:0 Tore. RWO verlor diese Spielzeit bislang nur dreimal, zweimal allerdings gegen RWE. Noch am Vortag hatten 300 Essener Anhänger beim Abschlusstraining ihr Team auf das Derby eingeschworen. Oguzan Kefkir widmete den Sieg daher den großartigen Rot-Weiss-Anhängern. Übrigens konnten die Oberhausener seit nunmehr 8 Ligapartien gegen die Essener nicht mehr gewinnen und mussten in derselben Zeit 3 Niederlagen hinnehmen. Bitter für RWO, das um markige Sprüche Richtung Hafenstraße nie verlegen ist. So war z.B. Tim Hermes in Essen angetreten, um RWE die Saison zu versauen. Von nun an kann sich der aktuelle Tabellendritte wieder gänzlich den eigenen Zielen und nicht mehr denen von RWE widmen. Der Auftritt der Gäste zeigte, dass diese robuste Truppe weiterhin ihre Chance suchen wird. Die Trainer waren sich auf der Pressekonferenz einig, dass beide Nachbarn weiter im Aufstiegsrennen verbleiben werden und besonders Terranova verwies darauf, dass Verl schon noch eine Schwächeperiode bekommen werde. An diesem Wochenende jedoch erst einmal nicht. Zeitgleich fand das Spiel der Ostwestfalen gegen Gelsenkirchen II statt und der nach Rödinghausens freiwilligem Rückzug härteste Konkurrent der beiden Reviervertreter hielt sich durch einen 2:1-Erfolg schadlos. Dass RWE gegen Oberhausen die Oberhand errang war daher umso wichtiger.

Am nächsten Wochenende pausieren unsere Rot-Weissen. Planmäßig. Bereits am Freitag empfängt der geschlagene Gast aus Oberhausen Tante Lotte im Stadion Niederrhein und möchte natürlich sofort in die Erfolgsspur zurückkehren. Die Verler stehen am Samstag vor einer scheinbar sehr lösbaren Aufgabe. Die Zweitvertretung von Fortuna Düsseldorf gastiert an der Poststraße. Verl könnte mit einem Erfolg RWE um 8 Punkte distanzieren. Das klingt nach einer Vorentscheidung, aber diese Spielzeit hielt schon so viele Überraschungen parat, dass wir Sportsfreund Terranova gerne Glauben schenken. Auch Verl wird schon noch schwächeln. Unsere Roten bleiben jedenfalls im Rennen.

NUR DER RWE!

Sven Meyering

Ergebnis

Rot-Weiss Essen – Rot-Weiß Oberhausen 1:0 (0:0)

Aufstellung Rot-Weiss Esssen

Golz, Sauerland, Heber, Matuwila, Grund, Grote (62. Hildebrandt), Kehl-Gomez, Kefkir, Condé (83. Zeiger), Dorow (57. Endres), Platzek (70. Pronichev)

Aufstellung Rot-Weiß Oberhausen

Golz, Sauerland, Heber, Matuwila, Grund, Grote (62. Hildebrandt), Kehl-Gomez, Kefkir, Condé (83. Zeiger), Dorow (57. Endres), Platzek (70. Pronichev)

Tore

1:0 Kefkir (81.)

Schiedsrichter

Tobias Severins (Gütersloh)

Gelbe Karten

Klaß (5. Gelbe Karte)

Oubeyapwa (1. Gelbe Karte)

Odenthal (3. Gelbe Karte)

März (4. Gelbe Karte)

Fotos by M.R.

Fotos by M.E.

Fotos by M.O.

Externe Videos

Spielausschnitte
Stimmungsvideo Breilmannswiese
Nono UnteRWEgs Stadion-Vlog
That Ritchie Guy Stadion-Vlog